SPIELPLÄTZE MD BÜRGERBÜROS AKTUELLE PRINTAUSGABE
MAGDEBURGER-NEWS.DE





image header
MAGDEBURGER-NEWS.DE
Menu
MAGDEBURGER-NEWS.DE

  bergewicht. Dr. Nickel 11.01.19. 14.10

Gesundheits News: Operative Behandlung bei Übergewicht - Gesundheit und Lebensqualität verbessern sich
11. Januar 2019

Dr. Felix Nickel, (Foto) Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, ist Preisträger des Oskar Medizin-Preises 2018.

                                                                                               

Der Heidelberger Chirurg Dr. Felix Nickel ist für seine Forschungsarbeiten zur Behandlung bei Adipositas mit dem hochdotierten Oskar Medizin-Preis 2018 der Stiftung Oskar-Helene-Heim ausgezeichnet worden

 

Die chirurgische Behandlung bei krankhaftem Übergewicht, der Adipositas, wirkt sich nicht nur positiv auf das Gewicht, sondern auch auf Begleiterkrankungen und Lebensqualität der Betroffenen aus. Das zeigte Privatdozent Dr. Felix Nickel, Master of Medical Education (MME), Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, in verschiedenen Studien und ist dafür nun mit dem Oskar Medizin-Preis 2018 ausgezeichnet worden. Der Preis, den die Stiftung Oskar-Helene-Heim jährlich auslobt, ist mit 50.000 Euro eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Ärzte in Deutschland. Das Preisgeld soll in weitere Studien zur Adipositas- und minimalinvasiven Chirurgie fließen, um die positiven Effekte der Behandlung besser zu verstehen und die Therapiekonzepte weiterzuentwickeln.

Die am häufigsten durchgeführten Verfahren der Adipositaschirurgie sind der Magenbypass und die Schlauchmagen-Operation. Beim Magenbypass wird der Magen geteilt: Die Nahrung gelangt nur in den oberen Teil des Magens, der rasch Sättigung signalisiert, und wird dann am restlichen Magen vorbei in den Dünndarm geleitet. Bei der Schlauchmagen-OP wird der Magen um zwei Drittel verkleinert. Eine lebenslange Nachsorge ist notwendig, bei Bedarf auch Ernährungs- und psychosomatische Beratungen. Langfristig lässt sich so eine Übergewichtsreduktion um bis zu 70 Prozent erreichen. Zudem - das haben Studien gezeigt - können die Eingriffe auch eine begleitende Zuckerkrankheit (Diabetes) beheben.

 

Für die Betroffenen ergeben sich noch weitere positive Effekte, wie Nickel in mehreren Studien seit 2012 untersuchte. Dazu wurden mehr als 200 Patienten mittels spezieller Fragebögen unter anderem zu Lebensqualität und psychischem Befinden vor und nach der OP befragt. Bei einem Großteil veränderte sich mit der Gewichtsreduktion auch das Körperbild zum Positiven, die Patienten gewannen mehr Selbstvertrauen und eine höhere Lebensqualität. 

Begleiterkrankungen wie die Fettlebererkrankung, Bluthochdruck und Gelenkschmerzen verbesserten sich. Ob die Patienten einen Schlauchmagen oder Magenbypass erhielten, spielte dabei keine Rolle. "Dank dieser positiven Auswirkungen auf Gesundheitszustand und Wohlergehen erhöht sich auch die Lebenserwartung, wie einige Studien bereits gezeigt haben", erläutert der Chirurg. "Eine Magen-OP ist daher unbedingt eine Überlegung wert, wenn andere Maßnahmen der Gewichtsreduktion trotz professioneller Begleitung keinen Erfolg bringen."

Adipositas: der psychische Leidensdruck wird häufig unterschätzt

"Die mit Adipositas verbundenen Begleiterkrankungen, Einschränkungen des Lebens und auch der psychische Leidensdruck werden häufig stark unterschätzt", betont Nickel. Viele Patienten leiden zusätzlich unter Depressionen, da sie in Bewegung, Belastbarkeit und sozialen Kontakten stark eingeschränkt sind. Nickel interessiert sich insbesondere für die Beweggründe, sich der belastenden chirurgischen Behandlung zu unterziehen: "Viele Patienten sorgen sich nicht nur wegen des Übergewichts, sondern auch wegen der bereits bestehenden oder drohenden Begleiterkrankungen und haben Angst vor einer Verkürzung des Lebens. 

Es wäre daher eine Entlastung für viele Patienten, ihnen den Zugang zu einer chirurgischen Versorgung zu erleichtern", so der Chirurg, der sich dafür engagiert, die Behandlung stärker als bisher an den individuellen Bedürfnissen der Patienten auszurichten. Voraussetzung für eine Operation ist eine umfangreiche ärztliche Untersuchung um behandelbare Gründe für das Übergewicht auszuschließen und Risiken abzuklären sowie ein bestimmter Body-Mass-Index, der auch von Begleiterkrankungen abhängt.

Unterstützung sei zudem noch auf anderer Ebene wichtig, so Nickel, beispielsweise in Form von Aufklärungskampagnen, um der Stigmatisierung entgegen zu wirken und die Bevölkerung für die Ursachen und Folgen der Erkrankung zu sensibilisieren. Darüber hinaus fehlt es derzeit noch an Präventionskampagnen. Seit Jahren nimmt die Anzahl der stark übergewichtigen Menschen in Deutschland zu.

 

Umfassende interdisziplinäre Betreuung am Heidelberger Diabetes- und Adipositaszentrum

 

 Rund 900 Patienten werden pro Jahr am interdisziplinären Diabetes- und Adipositaszentrum des Univetrsitätsklinikums Heidelberg betreut: Ein Ärzteteam aus den Bereichen Endokrinologie, Psychosomatik und Sportmedizin klärt medizinische und psychische Ursachen der Fettleibigkeit individuell ab und bietet spezielle Abnehmprogramme, verbunden mit sportlichen Aktivitäten, Ernährungsberatung, psychologischer Betreuung, Verhaltenstherapie und bei Bedarf Medikamenten, an. Schlagen diese Konzepte nicht an, kommen verschiedene Magenoperationen in Frage, die vom Team der Sektion Minimal Invasive und Adipositaschirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler) unter Leitung von Professor Dr. Beat Müller vorgenommen werden. 

Die Klinik ist seit 2015 zudem gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern im Krankenhaus Salem von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie als "Kompetenzzentrum für Adipositaschirurgie" anerkannt und zertifiziert. Im Jahr 2018 unterzogen sich mehr als 180 Patienten in Heidelberg einer solchen Magenoperation. Darüber hinaus liegt das Heidelberger Diabetes- und Adipositaszentrum im Bereich der klinischen Forschung deutschlandweit an der Spitze.

Die Stiftung Oskar-Helene-Heim

Die Stiftung Oskar-Helene-Heim in Berlin fördert Wissenschaft und Forschung in der Medizin. Die Stiftung unterstützt Forschungsprojekte und gemeinnützige gesundheitsfördernde Vorhaben und verleiht Stipendien. Sie vergibt jährlich den Oskar-Medizin-Preis und die Helene-Medaille. Die Stiftung Oskar-Helene-Heim wurde 1905 von Oskar Pintsch, seiner Ehefrau Helene und dem Arzt Dr. Konrad Biesalski gegründet, mit dem Ziel gesundheitliche Handicaps junger Menschen zu heilen und zu überwachen.

 

Text und Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Teilen auf: